Wolfsgrube

Artikel aus dem Heimatbuch "1250 Jahre Oberwittstadt" (2025) von Gerhard Weiß

In Wikipedia ist nachzulesen, dass bereits im späten Mittelalter große Anstrengungen unternommen wurden, um die Wölfe auszurotten. Man hielt dies für dringend geboten, weil sie für Weidetiere, aber auch für die Menschen eine permanente Gefahr darstellten. Diese höchst aufwändigen, Jahrhunderte dauernden Bemühungen waren letzten Endes recht erfolgreich, allerdings konnten sich Restbestände in den schrecklichen Wirren des 30-jährigen Krieges (1618 – 1648) noch einmal erholen, bevor neue Anstrengungen dazu führten, dass das heutige Deutschland ab 1750 praktisch wolfsfrei war.
Damit ist eine zumindest vage Aussage über das Alter unserer Wolfsgrube möglich, denn sie wurde mit Sicherheit zu einer Zeit gebaut, als die Wolfsbestände noch als eine erhebliche Gefahr für Mensch und Vieh angesehen wurden. Das dürfte spätestens nach dem 30jährigen Krieg gewesen sein, höchstwahrscheinlich aber schon in der ersten massiven Bekämpfungszeit im späten Mittelalter. Nach der Brandschatzung unseres Dorfes in der Endphase des 30jährigen Krieges hatten unsere Vorfahren wahrlich andere Probleme als die Ausrottung der Wölfe. Die Wolfsgrube ist also zumindest eines der ältesten Bauwerke unseres Dorfes, mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar das zweitälteste nach der Nothelferkapelle überhaupt und sollte demnach aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammen.

Seit mindestens 300 Jahren hatte sie ihre Bedeutung verloren und ist im Lauf der Zeit ziemlich heruntergekommen. Laub und Äste sowie die oberen Steinringe sind in die Grube gefallen, manchmal haben „böse Buben“ vielleicht ein wenig nachgeholfen, wodurch diese zwischenzeitlich ziemlich aufgefüllt war.



Das Foto zeigt den bisherigen Zustand der Wolfsgrube. In 2024 haben sich mehrere Freiwillige zusammengetan und sich darangemacht, dieses uralte Baudenkmal zu retten. Beim Abräumen des Erdreiches im Bereich der eingefallenen oberen Schichten wurde erst richtig deutlich, welche extremen Bemühungen vor Jahrhunderten nötig waren, um die Grube in den steinigen Waldboden zu graben.
Nicht ohne Grund heißt das Gewann „Steinig“. Beim Pflügen stößt man dort auch heute manchmal noch auf Steinplatten, die die Bewirtschaftung als Ackerland fragwürdig erscheinen lassen. Deshalb hat man Mitte des 19. Jahrhunderts Teile der ursprünglichen Ackerfläche aufgegeben und forstwirtschaftlich genutzt. Vorher befand sich die Wolfsgrube nur wenige Meter innerhalb des Waldes.
Die freiwilligen Helfer bekamen bei ihren Arbeiten einen guten Eindruck davon, welche Mühen die Leute damals auf sich genommen haben, bis sie das Bauwerk geschaffen hatten. Es hat einen Durchmesser von 2,20 Metern und war über drei Meter tief. In dieser Tiefe mussten sie wegen Grundwassereinbruchs die Ausräumarbeiten einstellen, aber die Mauern reichen auf jeden Fall noch tiefer. Der steinige Untergrund hatte für die früheren Bauleute dann doch einen Vorteil: Sie hatten vermutlich genug Steine, die sie zum Erstellen der Mauer verwenden konnten. Sie benutzten jedenfalls ausnahmslos unbehauene Feldsteine, setzten sie dann aber so exakt auf, dass sie auch ohne Mörtel noch nach einem halben Jahrtausend Bestand haben.

Im Gegensatz zu den ursprünglichen Erbauern rückten die freiwilligen Helfer an etlichen Terminen mit modernem Gerät an.



Die eingefallenen Schichten ersetzten sie durch behauene Natursteine und befestigten sie mit Beton.



Das Bild zeigt die Helfer nach Beendigung der Arbeit (von links):
Simon Meister, Paul Rothengaß, Norbert Schmitt, Ludwig Klohe, Manfred Schwab und Bertold Väth.

Dass man vor Jahrhunderten diesen Aufwand auf sich nahm, lässt erahnen, welch großer Belastung man sich damals durch die Wölfe ausgesetzt sah. Sicherlich ist auch die weltweit äußerst negative Rolle der Wölfe in den Märchen und Mythen vieler Völker kein Zufall. Umso irritierender ist es, mit welch fragwürdiger Argumentation und welcher gesetzlichen Härte jetzt einer Neuansiedlung der Wölfe Vorschub geleistet wird. Dass unser Wildtierbestand über Jahrhunderte ohne Wölfe im Gleichgewicht war, macht diese politische Maßnahme höchst fragwürdig und sie wird spätestens dann ein Umdenken erzwingen, sobald Menschen zu Schaden kommen werden. Letztlich kann das schon deshalb nicht ausbleiben, weil Mitteleuropa heute um ein Vielfaches enger besiedelt ist als zu den Zeiten, als man sich aus den schlimmen Erfahrungen heraus zu der Ausrottung der Wölfe entschlossen hat.

Der Fußweg bis zur Wolfsgrube wurde mit Schotter befestigt, sowie eine kleine Fläche angelegt, auf der dann eine wetterfeste Sitzgelegenheit aufgestellt wurde. Auch diese wunderschöne Holzkonstruktion wurde im wesentlichen durch Norbert Schmitt geplant und vorbereitet, welchem als Initiator der Restauration, sowie als technischer Leiter und Hauptakteur des Gesamtprojektes der größte Dank gilt.



Das vorherige Bild zeigt die Helfer der Arbeiten (von links):
Steffen Schmitt, Frank Krause, Andreas Eberhard, Norbert Schmitt, Simon Meister, Bertold Väth und Paul Rothengaß.

Zur Sicherheit wurde an der restaurierten Wolfsgrube noch ein Zaun angebracht, außerdem eine Infotafel aufgestellt - optisch sehr gelungen und passend zu Sitzgelegenheit.





Überlieferte Sage zur Wolfsgrube
original übernommen aus dem Heimatbuch „Geschichten aus der Geschichte von Oberwittstadt“ zum Dorfjubiläum „1200 Jahre Oberwittstadt“ (1975) von Walter Brecht

Der Geiger in der Wolfsgrube
Im Oberwittstadter Wald sind heute noch die Reste einer Wolfsgrube erhalten. Von ihr wird folgende Sage erzählt. Im „Badischen Hof“ (heute: Werners Kneipe) spielte einmal ein Berolzheimer Geiger zum Kerwetanz auf. Es war schon lange nach Mitternacht, als er sich auf den Heimweg machte. Der müde Musikant wollte den Weg abkürzen. Er ging deshalb das „Steinig“ hinauf, um quer durch den Wald den Berolzheimer Pfad zu erreichen. Der müde Geiger achtete nicht auf den Weg und stürzte in die Wolfsgrube. Der Schreck war groß. Noch größer wurde das Entsetzen, als der Geiger merkte, dass schon ein Wolf in der Grube gefangen war. Schon setzte das hungrige Raubtier an, den Musikanten zu verschlingen, als dieser in der Not begann, auf seiner Geige zu spielen. Die Musik gefiel dem Wolf. Mit langgezogenem Heulen begleitete er die Geigentöne. Nach einer Weile zerriss eine Saite. Da wollte der Musikant mit seinem Spiel aufhören. Sofort fing der Wolf an, hungrig und gierig zu knurren. So musste der vor Todesangst zitternde Geiger auf drei Saiten weiterspielen. Als der Morgen graute, geigte der Musikus auf der letzten Saite. Zum Glück hörten bald darauf Bauern die seltsame Musik aus der Wolfsgrube. Mit einem Strick konnten sie den armen Geiger retten. Den Wolf schoss der Jäger tot.